Der Marburger Lahntallauf – mein dritter Marathon trotz schwieriger Trainingsvorbereitung

Wer auf den Winter 2025/26 zurückblickt, wird ganz sicher die lange Phase mit eisigen Temperaturen, Schnee und Glatteis in Berlin in Erinnerung haben. Von Ende Dezember bis Mitte Februar waren die Trainingsbedingungen zum Laufen alles andere als ideal. Im vergangenen Herbst hatte ich den Dresden-Marathon aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und dennoch Lust bekommen, noch einen dritten Marathon zu laufen. Im Internet schaute ich deshalb nach einem Marathon, der mir persönlich am besten passte: möglichst vor dem Beginn der Pollensaison, mit einer einfachen Anreise verbunden, keine Großveranstaltung, eine flache Strecke …

So entschied ich mich schnell für den Marburger Lahntallauf am 28.2.2026. Der 10-km-Rundkurs und die Pendelstrecke zum Schluss verlaufen direkt an der Lahn und am Stadtrand von Marburg. Als Starter kann man sich auf den angebotenen Distanzen 10 km, Halbmarathon, 30 km, Marathon und 50 km sogar während des Wettkampfes neu entscheiden.

Ich brach am Freitag, den 27.2.2026, nach der Arbeit mit dem ICE nach Hessen auf. Unglaublich, dass ich es nach diesem Winter ohne Krankheiten oder Verletzung bis hierher geschafft hatte. Die Wettervorhersage klang vielversprechend: 11 Grad und ein geringes Regenrisiko. Samstagmorgen fuhr ich in Begleitung von meinem Freund und meiner Mutter weiter nach Marburg.

Vor Ort verlief alles ohne Probleme und so konnte ich um 10 Uhr voller Neugier und Spannung an den Start gehen. Vier 10-km-Runden und die Pendelstrecke lagen nun vor mir. Die erste Runde lief sehr locker, allerdings war mein Tempo zu schnell. Das war mir bewusst. Da es sehr windig war, hielt ich mich aber im direkten Windschatten einer kleinen Gruppe und konnte das Tempo konstant halten.

Zweite Runde: Das Tempo blieb für mich durch den Windschatten etwas zu flott, aber gut zu halten. Bei Kilometer 19 reichten mir meine beiden Begleiter Getränke und einen Fruchtriegel. 

Auf zur dritten Runde: Ich war überrascht, wie gut ich mich weiterhin fühlte und wie motiviert und zuversichtlich ich war. Nun lief ich allerdings nicht mehr in einer Gruppe. Das Feld hatte sich sehr weit auseinandergezogen, da nur rund 2000 Starter unterwegs waren. Bei Kilometer 29 gab es noch einmal einen kleinen Getränkestopp und dann gleich die Brücke über die Lahn, die zur vierten Runde führte. Die Überquerungen über den Fluss waren zum Glück relativ flach und gut zu laufen. Steigungen gab es ansonsten keine. Generell war es auf den asphaltierten Radwegen angenehm zu laufen, jedoch teilweise recht eng beim Überholen.

Vierte Runde: Mein Freund und meine Mutter feuern mich noch einmal bei Kilometer 31 an. Ich hatte bis hierher ein gutes Gefühl. Doch bei einem Marathon ist zu diesem Zeitpunkt noch nichts entschieden. Und so war ich plötzlich ganz allein auf weiter Flur und der Gegenwind war noch heftiger als vorher. Schlagartig wurde mir bewusst, dass es ab jetzt hart werden würde. Der 35. Kilometer hatte es in sich. Ich schaute lieber nicht mehr auf meine Uhr, sondern nur nach vorne, Richtung Ziel. Ich versuchte, mir positive Gedanken zu machen und mich darauf zu „freuen“, dass auf der zweiten Hälfte des Rundkurses kein Gegenwind mehr zu erwarten war.

Als ich schon die Lautsprecherdurchsagen am Ziel hören konnte, musste ich leider noch auf die 2-km-Pendelstrecke, damit ich auf genau 42,195 km kam. Obwohl meine Beine einfach nicht mehr konnten, machte ich keine Gehpausen, sondern lief in einem langsamen Tempo bis zum Ziel. Dort angekommen brauchte ich einige Zeit, um überhaupt wieder sicher auf meinen Füßen stehen zu können.

Ich bin unglaublich sprachlos und glücklich, dass ich es sogar noch in einer Zielzeit von 3:28:22 geschafft habe. Damit hatte ich vor dem Marathon nicht gerechnet, aber schon früher oft davon geträumt. Meine Platzierung als dritte Frau und erste meiner Altersklasse ist für mich daher unwichtiger als die Zeit von unter dreieinhalb Stunden.

Auf dem Rückweg nach Nordhessen und am Tag darauf bei der Rückreise nach Berlin kamen noch viele Gedanken und Emotionen: Der Marburger Lahntallauf ist für mich mit vielen positiven Momenten verbunden. Das anfangs hohe Tempo hat natürlich nicht so schöne Auswirkungen auf den letzten Kilometern gehabt. Ich bin aber sehr dankbar für die guten Trainingstage, die ich hatte, für die Zielzeit und die Platzierung. Es war wichtig, diesen Wettkampf in Begleitung zu erleben und von Familie und Freunden unterstützt zu werden.

Nun freue ich mich auf die Regeneration und die Laufsaison, die ja gerade erst beginnt. Es ist ein großes Geschenk, wenn man gesund und fit ist und dann mit so viel Freude laufen kann.

Clarissa Lehmeyer

Vor dem Start und nach dem Marathon (Fotos: B. Lang und C. Lehmeyer)