Abteilung Leichtathletik

Wie geht denn das? Wie man zum „Gehen“ kommen kann.

Von Patrick Seck

Foto: B.O. Hölters

Ich hätte schon früher dazu kommen können, aber dazu später. Jetzt erst einmal tief hinein in die Biografie, zu den Kindheitserinnerungen.

Damals hatte ich mit meinem Opa eine Großsportveranstaltung im Fernsehen angeschaut. Es muss wohl eine Live-Übertragung einer Olympiade oder WMgewesen sein, in der ein Geh-Sport-Finale gezeigt wurde. Weil es in meinen Augen so komisch aussah und ich es nicht kannte, fragte ich was die denn da machen würden. Zur Antwort bekam ich: Die gehen!
Und weiter ging die Fragerei: Wie die gehen?Wohin gehen die denn? Und kommen die noch Mal zurück? Opa: Die gehen bis ins Ziel, 20 km oder 50 km müssen die sich anstrengen. Ich: Boah, so weit. Und warum laufen die nicht? Opa: Weil die gehen müssen, damit sie nicht rausfliegen.

Zeitsprung.Jahre später habe ich dann wieder einmal im Fernsehen einen Geher-Wettbewerb gesehen. Ich war inzwischen größer und konnte es bei uns in der Straße auf’m Bürgersteig nachmachen; Spaß hat es gemacht, aber ansonsten machten es ja nur die Großen im Fernseher. Weitere Jahre gingen ins Land und dann waren 1996 olympische Sommerspiele in Atlanta. Als 30-Jähriger kam ich auf die Idee mich nach einem Verein zu erkundigen, der „Gehen“ anbietet. Ich lebte damals in Saarbrücken und dachte, dass es in der Landeshauptstadt doch einen Verein geben muss, der das anbietet. Aber nein. Von der Geschäftsstelle des SV Saar 05 hieß es: Geher haben wir keine. Also sollten nochmal Jahre ins Land gehen, bis ich zum aktiven Geh-Sport kommen sollte.

Im Herbst 2013 bin ich nach Berlin umgezogen und seit 2014 gehe ich regelmäßig ca. ein Mal pro Woche Joggen. So, und dann ist EM 2018 in Berlin mit den Geher-Wettbewerben imStadtzentrum.Da musste ich natürlich hin, um die Geher über 20 km und 50 km zu erleben, wie auch den Marathonlauf zu sehen. Im Vorfeld habe ich mich wieder nach Vereinen erkundigt, die „Gehen“ anbieten. Aber trotz Internet keine leichte Aufgabe gewesen. Erst nach der EM, als ich einige der teilnehmenden Sportler mit Namen kannte, bin ich fündig geworden. So erfuhr ich dann, dass Emilia Lehmeyerbeim Polizei Sportverein Berlintrainiert. Und siehe da: auf der Website www.psv-la.degibt’s sogar einen Eintrag „Geher“.

Alsohatte ich gleich mit Heinzfür den 1. September 2018 einen Probetraining-Termin im Schlosspark Charlottenburg vereinbart. Nach zwei Runden „Racewalking“konnte ich kaum noch normal gehen und Heinz war schon dabei mich für meinen ersten Wettkampf in Jüterbog zu gewinnen. Dann bekam ich noch die Telefonnummer von Bernd,mit dem ich im Britzer Garten weiter trainieren sollte. Bernd war natürlich auch hierüber von Heinz informiert worden, so dass ich seitdem mit Wolf und Bernd regelmäßig trainiere. Wegen des schönen, langen Sommers im Britzer Gartenoder auch jetzt bei kühleren Temperaturen in der Rudolph-Harbig-Halleam Olympiaparkgelände.

Das 14. Fläming-Gehenam 29. September 2018 in Jüterbog war dann nach vier Wochen Training mein erster Wettbewerb. Der PSV-Trainer Volker Umlauft machte mir Mut. Ich wollte beim Aufwärmen natürlich nicht „übertreiben“, da ich befürchtete, dass ich dann die 3 km-Strecke nicht mehr schaffen würde. Aber inzwischen ist es so, dass ich so etwa 3 km brauche um warm zu werden, sodass das Gehen besser flutscht. 18:44 min war meine Wettkampfzeit in Jüterbog, d.h. immerhin keine Disqualifikation und 1. Platz der M50 bei einem Teilnehmer in dieser Altersklasse. Danke nochmals im Nachhinein an die Veranstalter für die gute Organisationsdurchführung.

Foto: Christoph Höhne

Beim Ascherslebener Straßengehen(gleichzeitig auch DM im Straßengehen aus Anlass des 70-jährigen Vereinsjubiläums von SV Lokomotive Aschersleben e.V.) wollte ich die Wettkampfstrecke von 3 km (wie in Jüterbog) langsam auf 5 km steigern. Bloß fand der 5 km-Wettbewerb schon um 10 Uhr statt und ich hätte viel früher als die Vereinskameraden mit dem Zug losfahren müssen. Also entschied ich mich mit den anderen über 10 km an den Start zu gehen. Das ging auch. 1:08:36 Std. stehen auf der Siegerurkunde, d.h. wieder 1. Platz in der Wertung M50 bei zwei Teilnehmern dieses Mal. Auch an dieser Stelle wieder großes Lob an die Organisatoren für die Wettbewerbsgestaltung (wie auch Bernd schon im GSN-Newsblog geschrieben hat).

Mein dritter Wettbewerb war der erste in der Halle. In der Halle an der Saale war es nicht, aber in der Nähe in Erfurtund zwar wieder über 3000 Meter. Meine 3-km-Zeit vom „Jüterbog-Rekordgehen“ konnte ich um eine Drittel-Minute unterbieten, war gerade so einigermaßen wieder erholt von dieser Strapaze, und schon ging es auf die „GSN-Jagdmeile“.Das Schöne hieran ist, dass neben den Masters auch die Jugendlichen auf dieselbe Strecke gehen, und auch die Geschlechtszugehörigkeit keine Rolle spielt.

Sehr positiv überrascht bin ich über das angenehme soziale Klima innerhalb der Gehsport-Szene, wie ich es bisher im Training und bei den Wettbewerben erfahren habe.

Bei der DM in Aschersleben bin ich auch mit einem älteren Teilnehmer aus meiner saarländischen Heimat ins Gespräch gekommen und erfuhr so, dass ich schon viel früher beim TV Ludweiler mit dem Gehsport hätte anfangen können (Ludweiler gehört zu Völklingen, einer Nachbarstadt der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken).

Nun gut; so bin ich jetzt seit September 2018 beim Polizei SV Berlin gelandet und kann mit interessanten und angenehmen Zeitgenossen noch hoffentlich lange trainieren. G e h t  d o c h!